Klima

Entgleisung oderStabilisierung

Claudia Nelgen

Bleibt ein sofortiges und radikales Umsteuern im Umgang mit den natürlichen Ressourcen aus, werden die Temperaturen schon in den kommenden Jahrzehnten in einem Ausmaß steigen, das allem Leben auf dem Planeten gravierende Umstellungen abverlangt. So gravierend, dass dies für die meisten Arten schlicht den Exodus bedeutet.

Ein Niedergang der natürlichen Vielfalt an organischem Leben bedeutet indessen auch den Niedergang der Spezies Mensch.

Es ist bereits ein halbes Jahrhundert her, dass sich die Wissenschaft Gehör verschaffte und mit aller Deutlichkeit auf den beständigen Anstieg der Temperaturen auf dem Planeten hinwies (Club of Rome, 1972). Der Aufrüttelungseffekt der Nachricht hatte jedoch eine extrem niedrige Halbwertzeit, denn die mit ihr einhergehende Begründung des alarmierenden Temperaturanstiegs kollidierte allzu zu sehr mit den Interessen und Notwendigkeiten der marktwirtschaftlichen Produktionsweise und mit dem Lebensstil der Menschen in den Industrienationen. Schließlich bildet die Verbrennung fossiler Energieträger das Wachstumselixier der Industrienationen – bis heute. Darüber kann auch nicht hinwegtäuschen, dass derweil endlich an alternativen Antriebsformen und Energiequellen gearbeitet wird.

Der Stand der Dinge im Jahr 2024 gibt kaum Anlass zu Optimismus. Wie es aussieht, sind Wirtschaft und Politik weiterhin schlicht nicht in der Lage, auf die verheerenden klimatischen Entwicklungen auf dem Planeten adäquat zu reagieren. Als im Januar 2022 in der Europäischen Union beschlossen wurde, die akut gefährlichste und langfristig giftigste Form der Stromerzeugung, nämlich die per Kerntechnik, als nachhaltig auszuweisen, und damit zum einen die Förderung der Regenerativen Energie abzuschwächen und zum anderen die Atomstromproduktion wieder investorenfreundlich zu machen, verwies dies erneut darauf, dass es nicht um das Erarbeiten intelligenter Problemlösungen geht, sondern um ökonomische Primärinteressen, die politisch durchgesetzt werden. Weshalb die Wissenschaft auch gerne von der Politik in ihre Grenzen verwiesen wird (etwa auf der konstituierenden Sitzung des 20. Deutschen Bundestages in einer Rede von Dr. Schäuble).

Eine globale Wirtschaft, in der sich alles ‚rechnen‘ muss, fehlt ganz offensichtlich jene Manövrierfähigkeit, die ein rettendes globales Umsteuern erlauben würde.

Dies noch zur Erderwärmung und ihren Folgen:

Die globale Durchschnittstemperatur der erdnahen Atmosphäre ist gegenüber der vorindustriellen Zeit (es wird zumeist das Jahr 1850 angesetzt) im Jahr 2023 um 1,46 Grad gestiegen, in Deutschland hat die Lufttemperatur im Flächenmittel sogar um 1,7 Grad zugenommen.

Der Anstieg ist indessen kein linearer, sondern ein dynamischer, so dass bereits in den nächsten  Jahren mit einem Anstieg auf 1,5 Grad Erderwärmung gerechnet werden muss.

Im Jahr 2023 haben die CO2-Emissionen ebenfalls einen Höchststand und damit eine Konzentration in der Atmosphäre erreicht, wie es sie seit mindestens 3 Millionen Jahren nicht mehr gab. In 2024 könnten die Bemühungen Chinas um eine Reduktion eventuell greifen und der Trend zumindest aufgehalten werden.

https://www.faz.net/aktuell/wissen/erde-klima/2023-wird-waermstes-jahr-seit-aufzeichnungsbeginn-laut-eu-klimawandeldienst-19363855.html,

https://www.mpg.de/21350374/xaida-extrem-wetter-klima,

https://www.umweltbundesamt.de/monitoringbericht-2023-blick-zurueck-erstmals-nach